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Fußball

  • tobias191107
  • vor 12 Stunden
  • 8 Min. Lesezeit

Hola y bienvenidos zu meinem Spanien Reiseblog „Bailes, fiestas und Schule“, in dem es um meinen Auslandsaufenthalt in Spanien geht.

 

Der heutige Blog handelt vom Thema „Fußball“. Grundsätzlich sollte dieser Blog ein allgemeiner Sport Blog werden, da Fußball aber die, mit Abstand populärste Sportart in Spanien ist, sind ca. 95% dieses Blogs über Fußball. In diesem Blog möchte ich einerseits auf die Geschichte des spanischen Fußballs eingehen, die lange Zeit sehr stark von der Politik beeinflusst wurde. Andererseits möchte ich auch darüber sprechen, warum Spanien in den letzten Jahren zu einer derart starken Fußballmacht geworden ist und was die Geheimnisse des Erfolges sind. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

                                                            

Österreich vs Spanien

Zu Beginn möchte ich ein paar statistische Zahlen einbringen, die euch nochmals vor Augen führen sollen, wie groß der Unterschied zwischen spanischem und österreichischem Fußball ist. Spanien liegt in der FIFA-Weltrangliste (Stand September 2025) auf dem zweiten Platz während Österreich sich auf dem 22. Rang wiederfindet. In seiner Geschichte gewann Spanien einen Weltmeistertitel und vier Europameisterschaften. Österreich gewann noch nie einen der beiden Wettbewerbe. Auch auf Klubebene ist der Unterschied extrem. Den höchsten europäischen Klubwettbewerb, die Champions League gewannen 20-mal spanische Vereine, während einem österreichischen Verein dieses Kunststück noch nie gelungen ist. Hinzu kommen auch noch stärkere Einzelspieler mit viel höherem Wert. Laut „Transfermarkt“ ist der spanische Kader rund 1,32 Milliarden Euro wert, während es der österreichische „nur“ auf 218,3 Millionen Euro bringt. Ich denke diese Zahlen reichen aus, um zu sehen, dass die RFEF (Real federacion de‘ futbol), der spanische Verband zu den besten der Welt gehört, während sich Österreich eher im Mittelfeld befindet. Doch warum ist das so. Dazu habe ich mir ein paar Punkte herausgesucht, die diesen Unterschied durchaus erklären.


Screenshot 2026-01-28 125837.png- Spanien gegen Österreich 9:0
Screenshot 2026-01-28 125837.png- Spanien gegen Österreich 9:0

                                                            

La historia

Zuvor möchte ich aber noch ein bisschen etwas über die Geschichte und die Entwicklung des spanischen Fußballs erzählen. Diese ist, wie schon bei Musik und Tanz, stark durch die verschiedenen Regionen und politischen Regime geprägt. Seinen Ursprung hat der spanische Fußball in Huelva, einer Stadt im Südwesten Andalusiens. Dort gab es viele Mienen und der Bergbau war ein wichtiger wirtschaftlicher Bestandteil dieser Region. Viele dieser Mienen befanden sich im Besitzt von englischen Unternehmen und daher hielten sich auch viele englische Bergarbeiter in der Stadt auf. Diese waren es auch, die das gerade eben in ihrer Heimat bekanntgewordene Spiel „Fußball“ mit nach Spanien brachten. Zu Beginn wurde dieses Spiel fast ausschließlich von Briten betrieben, nach und nach fingen dann aber auch die Einheimischen an, sich für den Sport zu begeistern und begannen Gruppen zu bilden. 1889 ging daraus dann der erste Klub namens „Huelvo Recreativo FC“ hervor. Kurz darauf kam der Fußball auch in anderen Teilen Spaniens an. Auch hier waren es wieder englische Schiffsleute, die den Sport zu den Häfen Bilbaos und Cadiz brachten und ihn dort in kurzer Zeit zu einem beliebten Zeitvertreib der Einheimischen machten. Die ersten Spiele, die stattfanden waren Duelle zwischen englischen und spanischen Arbeitern und auch hier wurden Gruppen gebildet die später dann zu Vereinen wurden. Das wohl wichtigste und bis heute eines der erfolgreichsten Beispiele ist „Atletic Bilbao“. Der Klub wurde 1898 gegründet und prägte die Anfangszeit des spanischen Fußballs extrem. Die Basken fielen durch ein körperbetontest Spiel auf, welches ähnlich dem der Engländer war. Durch diese körperliche Überlegenheit gewann der Atletic Klub in den ersten Jahren viele regionale Turniere und Spiele. 1903 wurde dann der erste nationale Cupwettbewerb, die „Copa del Rey“, eingeführt. Dieser Pokal wird nach wie vor gespielt und ist die wichtigsten Cup Trophäe im spanischen Fußball. 1909 wurde dann der oben bereits erwähnte spanische Verband gegründet, der dann 1929 die nationale Liga ins Leben rief. Zu dem damaligen Zeitpunkt nahmen allerdings nur zehn Teams teil. Der spanische Bürgerkrieg (1936-1939) und die darauffolgende Diktaturperiode, durch Franco, stoppten den Aufschwung der neuen Volkssportart. Zwar konnten Klubs wie der FC Barcelona oder Real Madrid, durch den Kauf vieler ausländischer Stars einige Erfolge feiern, die Nationalmannschaft gewann aber außer der Heim EM 1964 nichts in dieser Zeit. Daran änderte auch die Heim WM 1982 nichts. Erst im 21. Jahrhundert stieg Spanien zu der fußballerischen Supermacht auf, als die sie heute bekannt ist. Die erste goldene Generation gewann die Europameisterschaften 2008 und 2012 und dazwischen auch noch die Weltmeisterschaft 2010. Nach einer kurzen, etwas schwächeren Phase kam Spanien mit einer neuen jungen Generation an Spielern und einem leicht veränderten Spielstil zurück und gewann die EM 2024. Die Zukunft des spanischen Fußballs kann positiv gesehen werden. Zu den tollen Männer-bzw. Frauen Nationalmannschaften kommt auch noch hinzu, dass ein Teil der WM 2030 in Spanien ausgetragen werden wird. Man kann auf jeden Fall sagen, dass der spanische Nationalsport, historisch gesehen, eine seiner besten Phasen durchläuft.


Screenshot 2026-01-28 130124.png- Spanien Europameister 2012
Screenshot 2026-01-28 130124.png- Spanien Europameister 2012

 

                      3 Gründe für den spanischen Erfolg im Frauenfußball

Nach diesem kurzen geschichtlichen Einschub kommen wir aber wieder zurück zu meiner anfangs gestellten Frage. Warum sind sowohl spanische Vereinsmannschaften als auch die Nationalmannschaften beider Geschlechter seit jeher ganz vorne mit dabei? Beginnen wir mit den Frauen, wo die spanische Nationalmannschaft 2023 Weltmeister wurde und 2025 im EM-Finale stand. Zudem gilt die Damenmannschaft des FC Barcelonas seit einiger Zeit als die beste der Welt. Das untermauern drei Champions League Triumphe der Katalaninnen in den letzten fünf Jahren. Neben einer starken Förderung, die bereits im Nachwuchs beginnt, hilft es mit Sicherheit auch dass Spanien dem Frauenfußball eine viel professionellere Bühne gibt. Beispielsweise erhalten die Spielerinnen der ersten spanischen Liga eine Fixgehalt das für die Spielzeit 2025/26, laut Standard bei 23 500 Euro liegt. Etwas von dem man in Österreich nur träumen kann. Hinzu kommt, dass die ersten beiden Ligen professionalisiert wurden, was bedeutet, dass die Spielerinnen diesen Beruf ausüben können, ohne die Sorge zu haben nebenbei noch arbeiten zu müssen. In Österreich müssen Frauen teilweise nebenbei noch arbeiten, weil sie so ein niedriges Gehalt haben, dass es zum Leben nicht ausreicht. Neben diesen lukrativen Vorteilen gibt es auch mehr Initiativen, um viel Nachwuchs anzuwerben. Auch Infrastrukturen und mediale Aufmerksamkeit sind in Spanien um einiges besser als bei uns.

                             

Auch bei den Männern ist die hervorragende Nachwuchsarbeit einer der Gründe für die spanische Erfolgsgeschichte in den letzten Jahren. Landesweit gibt es viele Akademien, die für ihre hervorragende Ausbildungsarbeit bekannt sind. Die beiden bekanntesten sind „La Masia“, die Ausbildungsakademie des FC Barcelonas und „Lezema“ von Atletic Bilbao.

                                                                  La Masia

„La Masia“ bedeutet übersetzt „das Bauernhaus. Die Akademie trägt diesen inoffiziellen Namen, da sie zwischen 1979 und 2011 in einem solchen beheimatet war. Die Jugendlichen wechseln meist mit einem Alter zwischen zehn und zwölf Jahren an die Akademie. Die Ausbildung danach legt zwar sehr starken Wert auf Fußball, allerdings nicht ausschließlich. Das selbst formulierte Ziel sei die Ausbildung exzellenter Fußballer und reifer Menschen. Hierbei steht auch die charakterliche Weiterentwicklung stark im Fokus. Dieses Prinzip erklärt, meiner Meinung nach auch warum viele der Youngstars bereits im Alter von 19, 20 Jahren eine enorme Ruhe und Abgeklärtheit ausstrahlen. Aus fußballerischer Sicht baut die Akademie auf einer sehr technisch versierten Ausbildung. Spieler aus „La Masia“ haben den Ruf, eine herausragende Technik im Passspiel sowie im Abschluss zu haben. Zur Anwerbung neuer Talente beschäftigt der Verein auch viele Scouts, die sich im Großraum Katalonien aber auch beispielsweise in Südamerika nach neuen Talenten umsehen. Alles in allem gilt die Akademie als die beste der Welt und ein Blick auf ihre Absolventen bestätigt dies nur. Lionel Messi, Andres Iniesta, Sergio Busquets oder ganz aktuell Lamine Yamal haben allesamt „La Masia“ durchlaufen. Ein weiterer Unterschied zu vielen anderen europäischen Spitzenklubs ist, dass der FC Barcelona immer auf seine Akademiespieler baut und ihnen genug Spielzeit gibt.


Screenshot 2026-01-28 125215.png- La Masia
Screenshot 2026-01-28 125215.png- La Masia

                                                                            

 Lezema

Ähnlich ist das auch in Bilbao, allerdings in einer noch verschärfteren Variante. Der Klub verpflichtet ausschließlich baskische Spieler und auch deshalb ist die Akademie „Lezema“ das Herzstück des Vereins. Neben der technischen Ausbildung wird hier auch ein starker Fokus auf ein körperbetontes Spiel gelegt. Seit langer Zeit schon gilt das baskische Spiel als sehr hart und weniger technisch wie jenes der Katalanen. Während der Franco Diktatur bezeichnet der Diktator den baskischen Spielstil, als Ideal der starken spanischen Gesellschaft und fordert die Nationalmannschaft dazu auf, auch so zu spielen. Aufgrund ihrer regionalen Verbundenheit gelten die baskischen Spieler als sehr bodenständig. Zwar kann der Atletic Klub aus Bilbao in Sachen globale Bekanntheit nicht mit den Klubs aus Madrid und Barcelona mithalten, für viele ist die Fußballverrücktheit aber nirgendwo so groß wie im „Pais vasco“. Aufgrund der Transferpolitik kommen laufend neue Stars aus „ Lenzema“ , aktuelles Beispiel ist Nico Williams.

 

Spanische Erfolgsgeheimnisse

Neben diesen beiden hat auch noch fast jeder andere große spanische Klub seine eigene Akademie, die Jahr für Jahr Top Talente hervorbringt. Der ehemalige österreichische Nationalteamspieler Andi Ogris spielte selbst ein Jahr bei Espanyol Barcelona in Spanien und schilderte in einem Interview mit dem Sportnachrichtenportal „Laola“, während der EM 2024 seine Eindrücke zur spanischen Nachwuchsarbeit. Neben den bereits erwähnten Punkten wie gute technische Ausbildung und hervorragendes Coaching, nannte er noch zwei weitere Punkte. Erstens konzentriere man sich in den ersten Jahren ausschließlich auf die technische Ausbildung und baue die taktischen Inhalte erst zum Schluss ein, während in Österreich das Ganze viel zu früh gemischt werden würde. Neben ihrem dadurch erhaltenen technischen Vorsprung bekämen spanische Spieler schneller die Chance sich im Erwachsenenfußball zu beweisen. Zweiteres sei ein weiterer Nachteil den Spieler in Österreich hätten, da sie zuvor häufig noch in der U18 spielen würden, bevor dann der Schritt in den Profibereich käme. In Spanien würden derweil schon Spieler im Alter von 16, 17 Jahren in den Erwachsenenbereich integriert, so Ogris. Bestes Beispiel dafür ist Lamine Yamal, der im Alter von 16 Jahren eine tragende Rolle beim spanischen EM-Sieg 2024 gespielt hat.


                                                        

            Tiki-Taka

Neben der starken Nachwuchsarbeit hat der spanische Fußball auch noch andere einzigartige Erkennungsmerkmale. Das wohl bekannteste ist das spanische Kurzpassspiel „Tiki-Taka“. Dieser wurde unter dem damaligen Teamchef Luis Aragonese, bei der EM 2008 erstmals verwendet und unter seinem Nachfolger Vincente del Bosque verfeinert. Das System beruht auf vielen kurzen und schnellen Pässen, häufig nur mit einem Kontakt, mit denen man sich bis zum Strafraum und idealerweise bis zum Tor durchkombiniert. Dieser Ansatz war in den Anfangsjahren äußerst erfolgreich, wurde nach einiger Zeit aber etwas zu ausrechenbar. Durch eine kleine Umstellung gelang es dem aktuellen Nationaltrainer Luis de la Fuente, das System und damit auch das spanische Nationalteam zu alter Stärke zurückzuführen.

Laut meiner Gastmutter haben Spaniens fußballerische Erfolgen noch einen weiteren Grund, und zwar die Emotionalität. Ihrer Meinung nach seien Spanier viel emotionaler beim Spiel dabei und daher auch erfolgreicher. Die starke und emotionale Mentalität, die man den Iberern immer wieder nachsagt, gibt es bestimmt, ob diese allerdings wirklich ein Mitgrund für die Erfolge ist, lässt sich natürlich nicht beweisen.


 

Das wars auch schon mit dem ersten Teil der Sportblog- Trilogie. Ich hoffe ich konnte euch einen guten ersten Eindruck der spanischen Fußballlandschaft vermitteln. Solltet ihr Fragen, Kritik oder ein anderes Anliegen haben, könnt ihr euch jederzeit bei mir melden. Ansonsten kommt nächster Woche bereits der nächste Blog sobre „ Clubes, aficionados y otras cosas del futbol“.

 

Hasta la proxima



 

Quellen:

 

 

 
 
 

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